Karrierewege bei sea chefs

Karriere-Interview mit Tristan, Kevin & Patsana

Das Leben und Arbeiten an Bord eines Expeditionsschiffes verspricht unzÀhlige Once-in-a-lifetime-Momente. Unsere Crew-Mitglieder Patsana, Kevin und Tristan aus dem Service-Team an Bord der HANSEATIC spirit verraten uns ihre bisherigen #WorldClassMoments und geben einen Einblick in ihren Joballtag auf See.

Stellt euch doch bitte einmal kurz vor und erzÀhlt welche Verantwortlichkeiten ihr in euren Positionen an Bord habt.

K: Ich bin Kevin und arbeite als Assistant MaĂźtre auf der HANSEATIC spirit. Dabei bin ich verantwortlich fĂŒr das Hauptrestaurant wĂ€hrend der Servicezeiten, also zum FrĂŒhstĂŒck, Mittag- und Abendessen. Ich kĂŒmmere mich um die FĂŒhrung und Einteilung der Commis und Chef de Rangs sowie der Headwaiter. Ich bin gelernter Restaurantfachmann mit Zusatzqualifikation in UnternehmensfĂŒhrung und Personalmanagement.

P: Mein Name ist Patsana. Ich bin gelernte Hotelfachfrau und ich arbeite als Chef de Rang an Bord. Meine Aufgabe ist es, die GĂ€ste im Servicebereich zu betreuen sowie natĂŒrlich auch die Restaurants fĂŒr die einzelnen Servicezeiten vorzubereiten.

T: Ich bin Tristan, gelernter Hotelfachmann und bin ebenfalls Chef de Rang. Ich sorge im Service fĂŒr das leibliche Wohl unserer GĂ€ste, sei es morgens beim FrĂŒhstĂŒck, beim Mittagessen oder zum Abendessen oder bei kleineren Events an Bord.



Wie lÀuft ein typischer Arbeitsalltag ab?

K: Ein normaler Arbeitstag beginnt zum FrĂŒhstĂŒck. Meistens eine halbe Stunde vor Öffnung der Restaurants, um letzte Details zu prĂŒfen, die Buffets vorzubereiten und dann beginnt der Serviceablauf. Danach muss alles wieder aufgerĂ€umt und vorbereitet werden fĂŒr den Lunch-Service. Zum Abendessen ist der Ablauf Ă€hnlich.  

P: Am liebsten mag ich den Dinner-Service. Dort haben die GÀste am meisten Zeit und können die Gastronomie und die Kulinarik richtig erleben. Ich freue mich jeden Tag darauf, sie dabei zu betreuen, zu beraten und mich mit ihnen auszutauschen.

T: An Seetagen haben die GĂ€ste mehr Zeit fĂŒr die einzelnen Mahlzeiten, wĂ€hrend es an Hafentagen morgens schon etwas hektischer sein kann. Viele GĂ€ste wollen schnellstmöglich raus und die tollen Destinationen erkunden.



Warum habt ihr euch fĂŒr die Expeditionsflotte entschieden?

K: Ein Expeditionsschiff ist viel kleiner als die großen Kreuzfahrtschiffe. Dadurch haben wir mehr Zeit fĂŒr jeden einzelnen Gast und die Fahrtgebiete sind deutlich spannender. Der Job ist sehr abwechslungsreich. Ich bin tĂ€glich sowohl mit vielen GĂ€sten in Kontakt, aber auch mit der internationalen Crew im stĂ€ndigen Austausch.

T: Die Destinationen sind viel interessanter als die, wo ich sowieso jederzeit im Urlaub sein kann. So konnten wir den Sommer z.B. in der Arktis verbringen und umrunden aktuell Island. Durch die verschiedenen Destinationen hat man immer wieder diese kleinen Wow-Momente im Alltag.

P: Das stimmt, man erlebt so viel Außergewöhnliches. Wir konnten z.B. mit den Zodiacs rausfahren und EisbĂ€ren und Pinguine sehen. An diese Orte kommen die großen Kreuzfahrtschiffe gar nicht hin.

Welche LĂ€nder habt ihr bisher bereist und was war euer #WorldClassMoment?

T: Man kommt an unzĂ€hlige wunderschöne Orte. Seit meiner Zeit an Bord habe ich 24 LĂ€nder bereist. Einer der prĂ€gendsten Momente war, als wir nach 14 Seetagen in Kapstadt eingelaufen sind. Kapstadt lag im Nebel und das Schiff musste noch warten, weil ein Wal im Hafenbecken lag. Als der Nebel sich gelichtet hat, hatten wir freie Sicht auf den Tafelberg und sind beim Einlaufen von sĂŒdafrikanischen Musikern und TĂ€nzern empfangen worden.

K: Gesehen haben wir wirklich schon sehr viele schöne Orte. Von atemberaubenden Eiswelten in der Arktis und Antarktis ĂŒber wunderschöne StrĂ€nde in Mauritius und Madagaskar bis hin zu stĂ€dtischen Gebieten in Westeuropa. Mein bestes Erlebnis war die Packeis-Grenze in der Arktis, umgeben von Eis mitten im Nirgendwo. Ich bin seit ĂŒber einem Jahr an Bord und habe in drei VertrĂ€gen ĂŒber 30 LĂ€nder gesehen.

P: Die Packeis-Grenze entlangzufahren war schon sehr schön und außergewöhnlich. Schon auf dem Weg ins Zodiac sind die Pinguine uns entgegengeschwommen. Und wenn man ausgestiegen ist, waren Hunderte neben uns. Man muss 5 m Abstand halten, aber die Pinguine wissen das natĂŒrlich nicht.

K: Manchmal wird einem erst spÀter bewusst, dass man in sechs Tagen sechs LÀnder besucht hat. Und jedes Land ist neu, jedes Land ist anders.

 

Was ist das Besondere an der Arbeit an Bord und an eurem Job?

K: Die AtmosphĂ€re an Bord ist einfach einzigartig. Man merkt an den besonderen Destinationen, wie die gesamte Crew und die GĂ€ste gemeinsam auf die offenen Decks gehen, sich Naturwunder und Tiere anschauen, Fotos und Bilder machen und sich zusammen darĂŒber freuen, dass man so etwas erleben darf.

Der Vorteil ist, dass man die gleichen GĂ€ste fĂŒr die ganze Reise hat. Dadurch kann man sich auf sie einstellen und jeden Gast individueller betreuen. An Land hat man natĂŒrlich auch StammgĂ€ste, Allerdings kommen diese nicht so frequentiert wie hier. Nicht alle GĂ€ste an Bord sind immer einfach. Damit muss man umgehen können.

T: Das 5-Sterne-Konzept von Hapag-Lloyd Cruises muss zuallererst beim Gast ankommen. NatĂŒrlich sind die GĂ€ste anders als auf der Luxusflotte. Denn es wird eben nicht das klassische Kreuzfahrterlebnis gefordert und erwartet, sondern viel mehr die Expedition und das Abenteuer. Also wird auch mal spontan etwas umgeplant, wenn es in der Destination etwas Spannendes zu erleben gibt. Das heißt auch fĂŒr uns, dass wir im Service flexibel sein mĂŒssen.

P: NatĂŒrlich ist die Arbeit auf einem Expeditionsschiff im Luxussegment hart, aber durchaus machbar. Wer an Bord arbeitet, ist viel mehr im Moment. Sobald man auf dem Schiff ist, vergisst man alles außerhalb des Schiffs und fokussiert sich voll auf seinen Job. Sobald man rausgeht, konzentriert man sich auf die schönen Landschaften, die man vor sich hat und genießt die freie Zeit in vollen ZĂŒgen.

 

Wie ist das Crew-Leben an Bord?

P: Das Zusammenleben und -arbeiten schweißt zusammen. Ich habe hier sehr gute Freunde gefunden. Man erlebt hier so viel gemeinsam, z.B auf AusflĂŒgen oder wenn man sich die schönen Orte ansieht. Nach Feierabend verbringen wir gerne unsere Zeit zusammen, z.B. in der Crew-Bar oder in der Crew-Mess und unterhalten uns ĂŒber den Tag. Auf dem Schiff ist es sehr familiĂ€r.

T: Die Hierarchien hier an Bord sind klar geregelt und strukturiert. Allerdings wird auf Augenhöhe gearbeitet. Nach Feierabend sind die Hierarchien außen vor. Wo auch immer man gerade ist, man genießt die Pause und erkundet die verschiedenen Orte. Ich freue mich am meisten darauf, meine Freizeit mit meinen Kollegen in neuen Destinationen zu erleben und zu genießen. Das VerhĂ€ltnis innerhalb der Crew ist sehr freundschaftlich und sehr familiĂ€r. Wir waren beispielsweise Anfang des Jahres noch mit einigen Kollegen privat zusammen in New York.

Wie hat euch das Seefahrerleben beruflich und persönlich geprÀgt?

K: Beruflich lerne ich jeden Tag dazu. Durch die regelmĂ€ĂŸigen Crew-Wechsel ist auch mein Team im stĂ€ndigen Wandel, sodass ich mich immer wieder auf neue Persönlichkeiten und Teamkonstellationen einstellen muss. Gerade das internationale Team, bestehend aus verschiedenen NationalitĂ€ten und Religionen, ist manchmal auch herausfordernd. Gleichzeitig lerne ich dabei tagtĂ€glich dazu.

T: Die Zeit hier an Bord wird mich sicherlich beruflich weiterbringen und zugleich Erfahrung mit sich bringen, die ich spĂ€ter meinen Kindern und Enkelkindern auch noch erzĂ€hlen kann. Ich bin dankbar fĂŒr alles, was ich auf jeder Reise lernen und kennenlernen darf.

P: Ich lerne jeden Tag so viel Neues ĂŒber meinen Fachbereich und auch ĂŒber mich. TatsĂ€chlich finde ich das am StĂŒck Arbeiten sehr gut und habe dafĂŒr nach jedem Vertrag einen mehrwöchigen Urlaub, den ich an Land so nicht hĂ€tte.

 

Welche Tipps habt ihr fĂŒr jemanden, der vorhat an Bord zu arbeiten?

T: Man sollte die Leidenschaft zum Reisen mitbringen und das Interesse daran, immer wieder neue Ecken der Erde und auch viele neue GÀste und Persönlichkeiten kennenzulernen.

P: Man braucht auf jeden Fall Gastgebertalent, ZuverlÀssigkeit und auch FlexibilitÀt.

K: Man hat die Möglichkeit, hier neue LĂ€nder und Kulturen zu erleben und zu entdecken. DafĂŒr muss man aufgeschlossen sein. Es sollte einem klar sein, dass man hier arbeiten muss, dass es nicht immer nur Freizeit ist. Allerdings wiegen die tollen Erfahrungen, die wir hier tagtĂ€glich machen, sehr viel mehr.

 

Vielen Dank fĂŒr die spannenden Einblicke!


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Veröffentlichung: August 2023

 

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